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Telenovela im Bundestag

Pressemitteilung November 3, 2014

Wähler brauchen Schauspiel und Inszenierung

Ob sich ein Politiker durchsetzen kann bewerten Wählerinnen und Wähler spontan mit Hilfe von Rollenbildern, die sie aus TV-Serien oder dem Theater entlehnen. Die selbstsichere Lady mit Erfahrung, der zupackende Kerl von nebenan, der mit allen Wassern gewaschene „alte Hase“ sind solche Rollen. Je mehr ein Abgeordneter äußerlich einem solchen Bild entspricht, umso mehr Durchsetzungsfähigkeit wird ihm im politischen Geschehen zugestanden.

„Es gibt einen visuellen Code nachdem wir Politiker unbewusst scannen und ihnen persönliche Stärken zuschreiben“, so der Semiologe Dr. Walter Reimund, Inhaber von Reimund Research, einem Darmstädter Institut für Kommunikationsforschung. Auf der Basis von Fotografien von Abgeordneten der letzten Wahlperiode (2009-2013) des deutschen Bundestags konnte Dr. Reimund jeweils eigenständige Codes identifizieren für die Zuschreibung der Persönlichkeitsmerkmale Durchsetzungsfähigkeit, Kreativität und Sympathie-Ausstrahlung.

Während Durchsetzungsfähigkeit aufgrund von Rollen erschlossen wird, zeigen sich uns Kreativität und Ideenreichtum anhand von Kleidung, Accessoires und Styling. Bei Frauen entscheidet dabei Stilkompetenz und Fantasie, bei Männern der subtile und vorsichtige Bruch mit dem Anzugs-Bügelfalten-Krawatten-Einerlei, das uns über Nachrichten und Politik-Talkshows ins Haus flutet. Äußere Signale von Offenheit bestimmen die Sympathie-Ausstrahlung.

Diese Befunde bestätigen internationale Forschungsergebnisse nach denen spontane, nicht bewusste Eindrücke das Wahlverhalten beeinflussen und Inhalte überlagern, die ein Kandidat vertritt. Spätestens wenn das Rennen um die Erststimme im Wahlkreis oder um das Bürgermeisteramt knapp wird, entscheidet der spontane Eindruck, den wir uns über Plakate oder Pressefotos, via Fernsehbildschirm oder durch Bilder im Internet machen.

Die Politik trägt Züge eines Schauspiels und von Inszenierung. Offenbar stellen wir uns Politik gern als persönliches Geschehen in einem Ensemble vor. Sicher können Inhalte dabei auf der Strecke bleiben. Inszenierung und Personalisierung leisten allerdings eine erforderliche Strukturierung, um komplexe politische Entscheidungsprozesse für alle greifbar zu machen. „Das ändert sich auch nicht durch Facebook und Twitter“, meint Dr. Reimund, „die mehr noch als traditionelle Medien einen Bedarf nach Struktur, Nachvollziehbarkeit und einem klarem Kontext schaffen würden“.

Kontakt:

Reimund Research
Institut für Kommunikationsforschung und strategische Planung

Ansprechpartner:

Dr. Walter Reimund

64297 Darmstadt

Fon: +49 6151 - 95 35 98

Mail: info@reimund-research.de

Web: www.reimund-research.de

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